Liquidität planen: Wie viel Puffer braucht Ihr Unternehmen?
Eine einfache Faustformel, die Betriebsausgaben, Saisonalität und private Entnahmen zusammen betrachtet.
Die meisten Unternehmen, die scheitern, sind nicht unprofitabel. Sie sind illiquide. Der Auftrag ist da, die Rechnung ist gestellt, das Geld kommt in sechzig Tagen, und die Löhne sind am Fünfundzwanzigsten fällig.
Gewinn ist eine Meinung. Liquidität ist ein Fakt.
Warum die übliche Antwort zu kurz greift
Die Standardempfehlung lautet: drei Monatsausgaben als Puffer. Das ist besser als nichts, aber es ignoriert drei Dinge, die bei Selbstständigen den Unterschied machen.
Erstens rechnet die Regel meist nur betriebliche Ausgaben. Ihre private Entnahme läuft aber weiter. Miete, Krankenversicherung, Familie.
Zweitens ignoriert sie Saisonalität. Ein Steuerberater hat einen anderen Jahresverlauf als ein Gastronom.
Drittens blendet sie den Zahlungsverzug Ihrer Kunden aus. Wenn Sie regelmäßig sechzig Tage auf Geld warten, brauchen Sie mehr Puffer als jemand, der nach sieben Tagen bezahlt wird.
Eine Formel, die diese drei Punkte einrechnet
Puffer = (betriebliche Fixkosten + private Entnahme) × Monatsfaktor
Den Monatsfaktor bilden Sie so:
- Basis: 3. Der Ausgangswert.
- +1, wenn Ihr durchschnittliches Zahlungsziel über dreißig Tage liegt.
- +1, wenn mehr als vierzig Prozent des Umsatzes von einem einzigen Kunden kommen.
- +1, wenn Ihr Geschäft eine ausgeprägte Saison hat.
- −1, wenn Sie einen fest zugesagten Kontokorrentrahmen haben, den Sie nicht nutzen.
Ein Beispiel. Betriebliche Fixkosten 8.000 Euro, private Entnahme 4.000 Euro. Zahlungsziel 45 Tage (+1), größter Kunde macht die Hälfte des Umsatzes (+1), keine Saison, keine Kreditlinie. Faktor 5.
12.000 × 5 = 60.000 Euro Zielpuffer.
Das ist eine unbequeme Zahl. Sie ist auch die ehrlichste, die Sie bekommen werden.
Wo dieses Geld liegen sollte
Nicht auf dem Girokonto, wo es Teil des gefühlten Spielraums wird. Nicht in Wertpapieren, wo es genau dann im Minus steht, wenn Sie es brauchen.
Ein separates Tagesgeldkonto, sichtbar, aber nicht in Reichweite der täglichen Kontobewegungen. Verzinsung ist zweitrangig. Verfügbarkeit ist alles.
Der Aufbau ist das eigentliche Problem
Kaum jemand hat diesen Betrag sofort. Ein realistischer Weg:
- Stufe eins: ein Monat Fixkosten. Erreichbar, und deckt bereits die häufigsten Engpässe.
- Stufe zwei: drei Monate. Ab hier verschwindet das dauerhafte Grundrauschen.
- Stufe drei: Ihr errechneter Zielwert.
Automatisieren Sie es. Ein Dauerauftrag am Monatsanfang, nicht am Monatsende von dem, was übrig ist. Was übrig bleibt, bleibt nie übrig.
Ein Zusatz, der oft vergessen wird
Rücklagen für Steuernachzahlungen gehören nicht in diesen Puffer. Das ist Geld, das Ihnen bereits nicht gehört. Ein drittes Konto, in das bei jedem Zahlungseingang ein fester Prozentsatz fließt, verhindert die klassische Situation: Betrieb läuft gut, Nachzahlung kommt, Puffer ist weg.
Was das mit Vorsorge zu tun hat
Alles. Wer keinen Liquiditätspuffer hat, kündigt bei der ersten Delle Verträge, die für dreißig Jahre gedacht waren. Der Puffer ist keine Alternative zur Altersvorsorge, er ist ihre Voraussetzung.
Deshalb steht er in jedem Plan an erster Stelle, vor jedem Produkt.
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Zielwert konkret liegt, rechnen wir das im Erstgespräch gemeinsam durch. Dreißig Minuten, unverbindlich.