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Vorsorge 28. Mai 2026 8 Min. Lesezeit

Altersvorsorge für Unternehmer: vier Wege im Vergleich

Rürup, betriebliche Vorsorge, Immobilie oder Depot. Ein nüchterner Vergleich nach Flexibilität, Steuer und Zugriff.

Feldwege, die sich aus einem Punkt in verschiedene Richtungen verzweigen

Viele Selbstständige haben eine Altersvorsorge, die aus dem besteht, was ihnen irgendwann einmal angeboten wurde. Ein Rürup-Vertrag von 2014, eine vermietete Wohnung, vielleicht ein ETF-Sparplan. Was fehlt, ist die Antwort auf die Frage, wie diese Teile zusammenwirken.

Dieser Beitrag vergleicht die vier gängigen Wege entlang der drei Kriterien, die im Ruhestand tatsächlich zählen: Wie flexibel bin ich, was bleibt nach Steuern, und komme ich im Notfall heran.

1. Rürup, die Basisrente

Wie es funktioniert. Sie zahlen ein, die Beiträge sind zu einem hohen Anteil als Sonderausgaben absetzbar. Ab Rentenbeginn erhalten Sie eine lebenslange Rente, die versteuert wird.

Stärken. Der Steuervorteil in der Einzahlphase ist bei hohem Einkommen erheblich. Das Kapital ist in der Ansparphase pfändungsgeschützt und wird bei Arbeitslosengeld II nicht als Vermögen angerechnet. Für Selbstständige mit unternehmerischem Risiko ist das ein realer Vorteil.

Schwächen. Keine Kapitalauszahlung, keine Kündigung, keine Beleihung. Was eingezahlt ist, kommt ausschließlich als monatliche Rente zurück. Die Vererbbarkeit ist eingeschränkt und muss über Zusatzbausteine geregelt werden, die Rendite kosten.

Passt, wenn Ihr Einkommen hoch und schwankend ist, Sie den Steuereffekt in guten Jahren mitnehmen wollen und einen Sockel suchen, an den Sie selbst nicht herankommen.

2. Betriebliche Vorsorge über die eigene GmbH

Wie es funktioniert. Bei einer GmbH kann eine Direktversicherung oder Unterstützungskasse eingerichtet werden, in die die Gesellschaft für den Geschäftsführer einzahlt. Die Beiträge sind Betriebsausgaben.

Stärken. Verlagert Vorsorge von der privaten auf die betriebliche Seite. Bei entsprechender Gestaltung fließen erhebliche Beträge steuerlich begünstigt.

Schwächen. Setzt eine Kapitalgesellschaft voraus, für Einzelunternehmer und Personengesellschaften nicht verfügbar. Die Gestaltung ist formal anspruchsvoll und gehört mit dem Steuerberater abgestimmt.

Passt, wenn Sie ohnehin eine GmbH führen und regelmäßig Gewinne thesaurieren.

3. Immobilie

Wie es funktioniert. Vermietete Immobilie, finanziert, im Ruhestand entweder Mietertrag oder mietfreies Wohnen.

Stärken. Verständlich, inflationsnah, mit Fremdkapital hebelbar. Nach zehn Jahren Haltedauer ist der Verkaufsgewinn steuerfrei.

Schwächen. Kein passives Investment. Instandhaltung, Mieterwechsel, Rücklagen, Verwaltungsaufwand. Ein Klumpenrisiko, häufig am selben Standort, an dem auch das Unternehmen sitzt. Wer im gleichen Ort investiert, in dem er sein Geschäft betreibt, verdoppelt die Abhängigkeit von einer regionalen Wirtschaftslage.

Passt, wenn Sie den Aufwand realistisch einschätzen, Rücklagen für Leerstand haben und die Immobilie nicht der einzige Baustein ist.

4. Wertpapierdepot

Wie es funktioniert. Breit gestreute ETFs oder Fonds, Sparplan oder Einmalanlagen, im Ruhestand Entnahmen nach Bedarf.

Stärken. Maximale Flexibilität. Jederzeit anpassbar, teilweise entnehmbar, vollständig vererbbar, transparent in den Kosten.

Schwächen. Kein Steuervorteil in der Einzahlphase. Kein Pfändungsschutz. Schwankungen müssen ausgehalten werden, was in der Praxis das eigentliche Problem ist. Wer 2022 verkauft hat, hat die Erholung 2023 verpasst.

Passt, wenn Sie Flexibilität höher gewichten als Steuervorteil und einen ausreichend langen Horizont haben.

Die Kombination ist meist die Antwort

In der Beratung endet es selten bei einem Baustein. Eine typische Struktur für einen Selbstständigen mit stabilem, aber schwankendem Einkommen:

  1. Liquiditätspuffer von sechs bis zwölf Monatsausgaben, verfügbar, nicht angelegt.
  2. Rürup in den ertragsstarken Jahren, dosiert nach Steuerlast.
  3. Depot als flexibler Kern, monatlich und automatisiert.
  4. Immobilie nur, wenn Zeit und Rücklagen tatsächlich vorhanden sind.

Die Gewichtung hängt von Ihrer Steuerlast, Ihrem Risikoprofil und davon ab, wie planbar Ihr Einkommen ist.

Die Frage, die vor allen anderen kommt

Nicht welches Produkt, sondern welche Lücke. Rechnen Sie zuerst aus, welchen Betrag Sie im Ruhestand monatlich brauchen und was aus bestehenden Ansprüchen bereits fließt. Erst wenn diese Zahl steht, lässt sich sinnvoll über Produkte reden.

Ohne diese Zahl ist jede Produktentscheidung geraten.


Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine steuerliche oder individuelle Beratung. Steuerliche Gestaltungen gehören mit Ihrem Steuerberater abgestimmt.

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